Internationaler Tag der Physiotherapeuten

Heute ist Internationaler Tag der Physiotherapeuten. Doch wie steht es um dem Berufsstand, welche Herausforderungen gibt es und wie sieht die Zukunft aus? Dazu gibt Anke Mayfarth einige interessante Insights. Denn sie ist nicht nur Geschäftsführerin und Mitgründerin von TEDIRO, sondern auch ausgebildete Physiotherapeutin.

Findest Du die Arbeit der Physiotherapeuten in der Gesellschaft ausreichend gewürdigt? 
Die Leute, denen wir „Physios“ zu schnellerer Rückkehr an den Arbeitsplatz, zu weniger Schmerzen und mehr Bewegungsfreiheit im Alltag oder aber den Weg zurück ins Leben bspw. nach einem Schlaganfall geholfen haben, sind beeindruckt von unserem „Methodenkoffer“ und den verschiedenen Therapieansätzen und entsetzt von der geringen Entlohnung. Menschen, die bisher keinen Zugang zur Physiotherapie haben, konnotieren Physiotherapie häufig mit Massagen und Wellness und das ist eben nur ein kleiner Teil in unserem Methodenkoffer.  Auch in der Physiotherapie ist der Fachkräftemangel sehr präsent und es wird in einigen Regionen immer schwieriger, Stellen aufgrund von Renteneintritten nachzubesetzen. Dann empfinde ich persönlich es umso ärgerlicher, wenn nicht in allen Bundesländern die Ausbildungskostenfreiheit/Schulgeldfreiheit beibehalten wird.  Allerdings empfinde ich es noch viel wichtiger, den Beruf für die Zukunft zu sichern und die Ausbildung in Richtung Vollakademisierung zu reformieren.  Es ist ein trauriges Zeichen in der Gesellschaft, dass dazu bis heute auf politischer Ebene immer noch diskutiert wird, statt anzupacken. Ich freue mich sehr, dass hier seitens der Therapieverbände unter dem Motto #zusammenTun eine Kampagne gestartet ist, die hoffentlich die breite Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisiert und Bewegung auf der politischen Umsetzungsebene bringt.

Welche Veränderungen siehst Du? Wir leben alle zusammen in einer sich scheinbar immer schneller verändernden Umgebung. Stichworte wie Digitalisierung, DiGa, Assistenz- und Reharobotik sowie Telemedizin werden immer präsenter in unserem Berufsalltag. Und ich sehe, dass hier in der Ausbildung selbst noch wenig getan wird, um Methodenkompetenzen im Umgang mit diesen neuen Technologien aufzubauen. Meiner Meinung nach vergeben wir uns selbst damit wertvolle Chancen, diese Technologien auch hinsichtlich der Gebrauchstauglichkeit bzw. Nutzbarkeit in unserem Berufsalltag mitzugestalten.  
 
Was würdest Du Dir für die Zukunft wünschen?  Wir Physiotherapeuten müssen auch Methodenkompetenzen im Bereich der Nutzung und Mitgestaltung neuer Technologien erhalten. Wir sollten die Entwicklung zukunftsweisender Technologien kritisch begleiten und lernen, unsere Anforderungen hinsichtlich der Behandlung unserer Patienten gezielt zu formulieren damit ein optimaler Therapie-Mix für unsere Patienten entsteht – ein Mix aus „unserem“ alten Methodenkoffer und den neuen Methoden.  Ich wünsche mir, dass wir Physiotherapeuten mit gesunder Skepsis die zukünftige Entwicklung diverser Technologien begleiten und lernen, die neuen Technologien wie beispielsweise digitale Gesundheitsanwendungen, Reharobotik oder Telemedizin auch gezielt in unserem Berufsalltag einzubauen. 
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