Gründergeschichte tediro

2016 war Anke Mayfarth Mitglied des Managementteams der Waldkliniken Eisenberg, einer der größten Kliniken Deutschlands in Bezug auf Hüft- und Knieprothesen-Fälle. Die Klinik wurde von Prof. Horst-Michael Gross, Leiter des Fachgebiets für Neuroinformatik und Kognitive Robotik an der Technischen Universität Ilmenau, auf der Suche nach mobilen Roboteranwendungen im Gesundheitsbereich angesprochen. Mit ihren Abschlüssen in Physiotherapie und Management und 15 Jahren klinischer Erfahrung als Physiotherapeutin in Bereichen wie Neurologie und Orthopädie wurde Anke gebeten, sich mit der Anfrage zu beschäftigen. Sie war sofort begeistert, denn es gab diese eine Übung, bei der sie sich schon immer gewünscht hatte, dass ein Roboter diese Aufgabe eines Tages übernimmt: Gehtraining an Unterarmgehstützen. Diese Aufgabe ist für Therapeuten langweilig, da sie hoch standardisiert ist – und damit für den Robotereinsatz geeignet. Zudem betrifft diese Übung allein in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Patienten nach Operationen an den unteren Extremitäten, die an Gehhilfen gehen müssen – zunächst in Akutkliniken, aber viele von ihnen wechseln danach in Reha-Kliniken. Das gesamte Anwendungspotenzial liegt also bei mehr als zwei Millionen Fällen pro Jahr in Deutschland, was einen beträchtlichen Markt darstellt.

Die Waldkliniken Eisenberg schlossen sich daraufhin mit der TU Ilmenau, MetraLabs als Hersteller mobiler Roboter und der Barmer, einer der größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, zusammen. Zwischen 2016 und 2019 wurde ein Demonstrator für Patienten entwickelt und getestet, welche im sogenannten Drei-Punkt-Gang gehen. 2018 wechselte Anke als Product Owner zu MetraLabs, um enger in die Entwicklung des Produkts eingebunden zu sein.

Bei MetraLabs lernte sie Christian Sternitzke kennen, der von den MetraLabs-Gründern gefragt wurde, ob er bei der Anmeldung von Patenten im Forschungsprojekt unterstützen könnte. Nachdem er viele Jahre im Bereich Venture Capital gearbeitet hatte, hatte Christian seinen Job als Investor gekündigt und suchte nach neuen Möglichkeiten, ein Startup zu gründen. Außerdem brachte er umfangreiche Erfahrung im Patentwesen mit. Während des Projekts meldete er nicht nur ausgiebig Patente für Anwendungen im Gesundheitswesen rund um den mobilen Roboter an, sondern war auch an vielen Erfindungen von MetraLabs beteiligt. Christian beschäftigte sich auch intensiv mit möglichen Geschäftsmodellen und Rahmenbedingungen – etwas, mit dem er durch seine vorherige Rolle als Investor bestens vertraut war. Es stellte sich heraus, dass die ursprüngliche Idee, innerhalb von MetraLabs eine Medizintechnik-Einheit zu gründen, Nachteile für das MetraLabs-Produktportfolio mit seinen Industrie- und Handelsrobotern mit sich gebracht hätte. Daher entschied man sich, die Healthcare-Aktivitäten auszugliedern und auch das IP der Technischen Universität Ilmenau zu erwerben, das während des Projekts entwickelt wurde.

Anke ging dann auf ein Stipendium zur Gründung von tediro. Sie und Christian führten viele Stakeholder-Interviews mit Kliniken, befragten Therapeuten, Geschäftsführer und Ärzte. Das Potenzial des Robotersystems wurde auf breiter Front bestätigt. Folglich gründeten Anke und Christian im Mai 2020 die Firma tediro. Um den Roboter in Gang zu bringen, stellten sie unter anderem ehemalige Doktoranden des Labors für Kognitive Robotik der Technischen Universität Ilmenau ein, die an der Entwicklung des Demonstrators beteiligt waren.

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